St. Galler Tagblatt: Biber in der Ginflasche

Gin liegt im Trend, auch ein Stadtsanktgaller macht mit. Produzent Benjamin Brunner setzt dabei auf Regionalität und Biberaroma.


Vor zwei Jahren noch hat Benjamin Brunner die Nase gerümpft, wenn jemand ihm Gin auftischte. Heute produziert Brunner die Spirituose. Eine Sommernacht auf der Dachterrasse seines Bruders in Bern hat seine Einstellung verändert. Grundlegend.

Der Bruder mochte Gin schon immer. Entsprechend gross ist die Auswahl, die er in jener Sommernacht anbietet. Benjamin Brunner schüttelt erst wie üblich den Kopf, degustiert dann aber doch. «Bier schmeckt immer nach Bier.» Aus den Gins aber schmeckt er «klar definierte Gewürze» heraus. Das hat ihnfasziniert. Der 26-Jährige kehrt als Ginbegeisterter nach St. Gallen zurück. Und mit einer Produktidee. Der Zimt in einer der Spirituosen hat den gelernten Konditor-Confiseur an den St. Galler Biber erinnert, den er jahrelang hergestellt hat. Grundkenntnisse in der Destillation hat er sich während des Biomedizinstudiums in Zürich angeeignet. Nun will er beides zusammenbringen. Das Resultat: der Bibergin.

Von 0 auf 1200 Flaschen

Andere würden zumindest ein paar Nächte darüber schlafen, bevor sie die Idee umsetzen. Nicht so Brunner. «Ausprobie- ren, kostet nichts. Kommt das Produkt nicht an, bin ich we- nigstens um eine Erfahrung reicher», sagt er. Ein typischer Widder sei er. Habe er ein Vorhaben im Kopf, setze er es um. Das Studium unterbricht er, um sich auf die Firmengründung zu konzentrieren. Im Herbst 2019 ist es so weit. Seither hat er 1200 Flaschen à 500 Milliliter hergestellt und abgefüllt. Der Bibergin soll das Herzstück sein, dazu werden sich saisonale Gins gesellen, so Brunners Plan. Regionalität ist ihm wichtig. Die Gewürze, die den typischen Geschmack des Wacholderschnap- ses ausmachen, sind bio. Eine Brennerei findet er in Mörschwil, die Etiketten werden in St. Gallen gefertigt. «Und gemäss alten Schriften kam der Biber von Konstanz erst nach St. Gallen. Im Appenzellerland weiss man ihn einfach besser zu vermarkten als hier.»

Wie ein DJ am Mischpult

Dann beginnt das Pröbeln, oft bis in die Nacht hinein. Schnell merkt Brunner, dass sich die Bibergewürzrezeptur nicht ein- fach so auf den Alkohol übertragen lässt. «Ich kam mir vor wie ein DJ am Mischpult. Ich habe die Inhaltsstoffe hoch- und runtergefahren, bis die Mischung gestimmt hat.» Getränkehandlungen, Restaurants und Bars haben den Bibergin unter- dessen in ihr Sortiment aufge- nommen. Und Brunners Freunde freuen sich, wenn er zur Geburtstagsparty eine Flasche mitbringt. «Es gibt nichts Schöneres, als zu verschenken, was man selber gemacht hat.» Diesen Herbst studiert Brunner weiter, nicht Biomedizin, sondern Wirtschaft und Recht an der Universität St. Gallen. «Mich beschäftigt nun hauptsächlich der Vertrieb. Da fallen viele ökonomische Fragen an», sagt er. Gerade denkt er über eine neue Abfüllanlage nach. «Damit lässt sich Zeit sparen.» Zeit, die den Produkten zugute- kommen soll. Einen Monat lang lagert der Bibergin und entfaltet seine Aromen, ehe er in den Ver- kauf gelangt. Seit Frühling ist zudem der Spitzengin mit Rosen-, Lavendel- und Veilchennoten erhältlich. Ein speziell für die Spirituose designtes Spitzenband ziert den Flaschenhals. Brunner hat dafür mit der Textilfirma Forster-Rohner zusammengearbeitet. Er versteht diesen Gin als «Hommage an die Stickerei, welche die Stadt zum Blühen» brachte.

Gin ist gerade in aller Munde, von New York bis Berlin, von Genf bis St. Gallen. Befürchtet Brunner nicht, dass die Nachfra- ge bald einbricht? Er, der im Turnverein trainiert, in der Natur fotografiert, Ski fährt und taucht, verneint. Gerade wegen seiner geschmacklichen Vielfältigkeit sei der Gin zeitlos. Sagt es und erzählt von seinem neusten Projekt. Einer Version mit Edelhölzern, die im Herbst er- scheint. «Diesen Gin will ich wie Wein im Fass lagern.»

Seit er Gin produziert, begrüssen ihn Kollegen zwar scherzhaft als «alten Süffel». Doch er degustiert Gin hauptsächlich, um ihn auf seine Qualität zu prüfen. Und gelegentlich am Samstag beim Grillieren mit den Eltern, bei denen er wohnt. «Ich will nicht das Rauschtrinken fördern, sondern ein Produkt zum Geniessen anbieten.» Am liebsten sähe er es, wenn die Spirituose pur konsumiert wird, ein paar Schlucke nur, ohne Tonic, «da es bei falscher Wahl die Arbeit des Destillateurs verpfuscht». Auch die Jury der Swiss Gin Awards hat er probieren lassen. Sie verlieh ihm zwei Bronzemedaillen. Er sei zufrieden, sagt er. Ganz glaubt man ihm nicht. Er strebt nach Gold.


Urheber

Artikel: St. Galler Tagblatt - Diana Hagmann-Bula

Fotograf: Nik Roth



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